Pferde im Winter - Thermoregulation und warum Pferde eigentlich nicht frieren

Aktualisiert: Okt 6



Pferd im Schnee © Paul/stock.adobe.com

Es ist kalt und schneit, ein eisiger Wind weht übers Land. Was hat das für Auswirkungen auf unsere Pferde, wann frieren sie oder frieren Pferde überhaupt? Gibt es Regeln, wann Pferde eingedeckt werden sollten? Und was hat es eigentlich mit der Thermoregulation auf sich? In diesem Artikel findest Du wichtige Infos zu diesen Fragen!

GANZ SCHÖN KALT


Viele Pferdebesitzer sind sich nicht bewusst, wie gut unsere Pferde daran angepasst sind, mit und in der Kälte zu leben. Pferde haben ein anderes Temperaturempfinden als Menschen und können sich auch kalten Temperaturen bestens anpassen.

Die Wohlfühltemperatur von Pferden zwischen -15 und +25 Grad.

Genauer gesagt, arbeitet in diesem Bereich der Stoffwechsel des Pferdekörpers am besten. Wenn es uns also kalt ist und wir den dicken Wintermantel auspacken, fühlen sich unsere Pferde richtig wohl. Die genaue Wohlfühltemperatur ist aber auch rasseabhängig und von Pferd zu Pferd unterschiedlich. Generell sagt man, dass Pferde sich bei 5 Grad am wohlsten fühlen.


Körpereigene Heizung


Der Pferdekörper ist wie eine Heizung, die durch den Stoffwechsel ständig Wärme produziert. Diese dient dazu die Körpertemperatur von ca. 38 Grad konstant zu halten und dies ist für unsere Pferde überlebenswichtig - im Sommer wie auch im Winter.

Das Pferd hat ausgeklügelte Körpermechanismen um mit Wärme und Kälte umzugehen.

Der Pferdekörper erhöht im Winter die Stoffwechseltätigkeit um sich warm zu halten. Dafür braucht das Pferd genügend Raufutter wie Heu, welches in Energie umgewandelt wird und den Stoffwechsel am laufen hält.


Wenn es richtig kalt ist, dann verlangsamt sich der Herzschlag und die Gefässe ziehen sich zusammen. Da Wärme über das Blut zur Haut geleitet wird, geschieht dies, damit weniger Blut an die Körperoberfläche gelangt und somit auch über die Haut weniger Wärme verloren geht. Die Haut kann dann auf bis zu 0 Grad herunter kühlen.


Fell, Körperfett und Haut als Isolation


Pferde haben also nicht nur eine körpereigene "Heizung", sondern die Wärme muss ja auch im Körper bleiben. Für diese Wärmeisolation sind das Körperfett, die Haut und das Pferdefell verantwortlich.


Das "verpönte" Körperfett ist eine wichtige Isolationsschicht im Winter. Es ist nicht nur eine Energiereserve, sondern isoliert 3 Mal mehr als jedes anderes Körpergewebe. Um sich auf einen strengen Winter vorzubereiten, ist eine Gewichtszunahme von bis zu 20% im Herbst normal. Bei unseren Pferden gilt, dass ein Pferd mit mehr Körperfett kürzeres Winterfell macht, während Pferde, die im Herbst wenig zunehmen, ein längeres Winterfell zeigen.


Die Pferdehaut an sich ist relativ dick und dient somit als weitere Isolationsschicht.


Das Pferdefell bereitet sich im Fellwechsel auf den Winter vor. Seine Isolationsfähigkeiten sind durch Dicke und Dichte bestimmt und spielt mit seinen verschiedenen Eigenschaften eine äusserst wichtige Rolle in der Wärmeregulation des Pferdes.

Wärmeregulation = Thermoregulationsmechanimus

THERMOREGULATION


Um eben in extremer Kälte (und im Sommer in der Hitze) überleben zu können und "warm" zu haben, verfügen Pferde über einen ausgeklügelten körperlichen Prozess - den Thermoregulationsmechanismus. 


An diesem Mechanismus sind wie oben beschrieben die Stoffwechseltätigkeit, Körperfett, Haut und Fell massgeblich beteiligt. Fütterung, eine artgerechte natürliche Haltung und Bewegung sind für eine funktionierende Thermoregulation aber ebenso wichtig.


Der für mich spannendste Fakt hinter der Thermoregulation ist die


"Gänsehaut" bei Pferden

Aufgestellte Pferdehaare © nicoleanhalt

Das ist quasi eine Verstärkung der isolierenden Eigenschaften des Pferdefells und sie wird auch "Piloerektion" genannt. Jedes Haar verfügt über einen Haarbalg und der hat Muskeln. Je nach Temperatur kann das Pferd also mittels dieser Haarbalg-Muskeln, die Haare und somit das Fell entweder aufstellen, drehen oder anlegen und so die Isolationsschicht des Fells bei Kälte zum Beispiel verstärken.


Lt. einer Studie erhöht diese "Gänsehaut" die Felldichte bei ausgewachsenen Pferden um 10 bis 30%!



Matsch, Schnee - und jetzt putzen?


Übermässiges Putzen im Winter, auch wenn Dein Pferd voller getrocknetem Schlamm ist oder eine "Schneedecke" hat, ist kontraproduktiv.


Trockenes Unterhaar © nicoleanhalt

Das Pferdefell hat einen natürlichen Fettfilm, eine Talgschicht, der die Isolationsfähigkeit des Fells unterstützt.


Diese Talgschicht und die Richtung der Haare - der Haarstrich - sorgt dafür das Wasser abläuft und nicht auf die Haut gelangt.


Das Unterhaar oder Wollhaar bleibt daher trocken. Dies natürlich nicht für immer - tagelanger Regen kann Pferde, die keinen Unterstand oder Windschutz haben, auch bis auf die Haut durchnässen.







Mit jedem Bürstenstrich entfernen wir ein bisschen von dieser Talgschicht, die so wichtig für unsere Pferde ist. Putzen wir also mehrmals täglich, kann das die Isolationseigenschaften des Pferdefells beeinträchtigen.


Gut isoliertes Pferd © nicoleanhalt

Eine getrocknete Schlammschicht oder eine "Schneedecke" haben zudem einen zusätzlichen isolierenden Effekt.



Frieren Pferde also?


Stimmen Haltung und Fütterung, also artgerechte Bedingungen und genügend Raufutter, das Pferd ist nicht eingedeckt und nicht geschoren und das Pferd ist gesund, dann frieren Pferde nicht.


Wird das Pferd jedoch extremen Bedingungen ausgesetzt - z. B. tagelanger Schneeregen, kalter eisiger Wind und keine Möglichkeit Unterschlupf zu suchen - dann sinkt die Körpertemperatur und starkes Muskelzittern setzt ein. Die Muskeln werden aktiviert, um Wärme zu erzeugen und den Körper wieder auf Normaltemperatur zu bringen.


Pferd eindecken - ja oder nein?


Das ist die Gretchen-Frage! Damit die Thermoregulation gut funktioniert, sollte Dein Pferd

  • ausreichend Raufutter wie Heu zur Verfügung und keine zu langen Fresspausen haben

  • in einem möglichst artgerechten Offenstall leben

  • viel Bewegung haben

  • den natürlichen Klima- und Wetterschwankungen ausgesetzt sein

Diese Faktoren stimulieren und aktivieren den Thermoregulationsmechanismus und dann braucht Dein Pferd keine Decke. In unserem Offenstall hatten wir schon mehrere "neue" Pferde, die bei uns ihren ersten Winter ohne Decke sehr gut überstanden haben!


Folgende Faktoren setzten die Thermoregulation ausser Gefecht:

  • Eindecken

  • Abscheren des Pferdefells

  • warmer Stall

  • wenig Frischluft

  • wenig Bewegung

  • zuviel Kraftfutter und zu wenig Raufutter


Steht Dein Pferd im warmen Stall und ist eingedeckt, dann ist zudem das Immunsystem schnell überfordert, wenn Dein Pferd plötzlich Kälte ausgesetzt ist.

Das heisst jedoch nicht, dass es bestimmte Umstände gibt, wo eine Pferdedecke durchaus nötig ist, zum Beispiel:


  • Sportferde, die im Boxenstall stehen und voll trainiert werden

  • Pferde, die aus Trainingsgründen geschoren werden

  • Nass geschwitzte Pferde, die in Zugluft stehen

  • Kranke und alte Pferde


Hat Dein Pferd Muskelverspannungen oder die Arthrose wird aufgrund kalter Temperaturen schmerzlicher, dann kann eine Pferdedecke auch in artgerechter Haltung nötig sein. Für Eindecken aus "Putzunlust" habe ich jedoch kein Verständnis :-)


Ich freue mich jetzt schon wieder auf wärmere Temperaturen - der nächste Sommer kommt bestimmt!


Nicole



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